[Peter J. Kraus]

Leseprobe: 19. Kapitel

Kapitel 19: Country Joe McDonald - F.U.C.K.

...in dem unser Bürgerschreck aus gut linkem Hause der Woodstock Generation verbotene Ausdrücke und ihren Eltern das Fürchten beibringt....................

"Uncle Joe Kaput" schrie die Schlagzeile der Los Angeles Mirror mit unverhohlener Freude, als Josef Stalin im März 1953 starb. Da war Joe McDonald gerade elf, und für ihn wäre Trauer ob des Sowjetführers Himmelfahrt angesagt gewesen, denn Joe wurde nach dem großen Josip Wissarionowitsch Dschugaschwili, genannt Stalin, benannt. Seine Eltern waren knallharte Kommunisten, die am 1. Januar 1942 dem Führer des bedrängten Brudervolkes huldigen wollten. Und kurz solte der Vorname sein. Klassenbewußte Arbeiter sind und heißen einsilbig. Bob, Bill, Bud. Joe. Country Joe.[Country Joe]
Country Joe - Woodstock 1969

Der Krieg ging zu Ende, und mit ihm die Sympathie für die Sowjets. Die Sieger stritten sich wie Hunde um einen Knochen; die Gruppe der linksgerichteten jüdischen Intelligenz ahnte den kommenden Rückschlag. Man verließ die angestammte amerikanische Ostküstenheimat für den freieren Westen, und die jungen McDonalds folgten der mütterlichen Familie nach Kalifornien. Dort, im Los Angeles-nahen El Monte, wuchs das kleine Jossele kalifornisch-frech heran. El Monte heißt ja typisch kalifornisch "Der Berg" - typisch deshalb, weil weit und breit alles flach ist. Bis nach Los Angeles hinein hebt oder senkt sich da nichts, was seine Vorteile hat. Kids aus El Monte können locker mit dem Fahrrad in die Stadt fahren, ohne groß außer Puste zu kommen. Was unser Joe auch tat, denn Los Angeles besitzt eine siebenstöckige, unglaublich gutsortierte öffentliche Bibliothek, und die lockte den Knaben. Dort konnte man aus erster Hand die Wunder der Welt betrachten, nachlesen, was die Eltern einem so erzählten, und sich eine eigene Meinung bilden. Die hielt sich allerdings recht eng an die elterlichen Glaubenssätze, denn nicht nur die Bücher, sondern auch die Politiker bestätigten den Wahrheitsgehalt dessen, was Mutter und Vater von sich gaben. Das Fernsehen der frühen Fünfziger übertrug die Senatsanhörungen des Kommunistenfressers Mc Carthy , der von Roland Freisler Auftreten und Respekt vor der Justiz gelernt hatte. Sein Gegenspieler, Senator Estes Kefauver, dem das jahrelange öffentliche Spektakel der Kommunistenverfolgung, der Verfolgung jedes linksverdächtigen, einigermaßen prominenten Bürgers peinlich war, fand in Joe McDonald einen glühenden Verehrer. Hier spielte sich ab, was das Sowietvorbild verhergesagt hatte - der Kapitalismus zerfleischte sich selber. Joe hatte eine glückliche Jugend. Die elterliche Richtung stimmte. Er fühlte sich daheim gut aufgehoben.

Aus heiterem Himmel wurde Vater McDonald zum Senatshearing geladen. Der kalifornische Senator Byrd röstete besonders gern kalifornische Linke, und McDonald drehte sich wochenlang über dem rotglühenden Kommunistengrill. Als er gar war, ließ man ihn laufen und hatte sein Leben zerstört. "Aufgrund der Untersuchung des Unamerican Activities Committee verlor mein Vater seinen Job bei der Pacific Bell Telefongesellschaft. Hätte er noch ein paar Monate arbeiten können, wären ihm wenigstens die Pensionsansprüche geblieben, aber so blieb ihm garnichts. Wir standen auf einmal ohne jegliche Unterstützung da. Die Familie erlebte den völligen wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch". Wenn Joe das heute erzählt, hört man noch immer die Wut und Ohnmacht des Zwölfjährigen, der die Zerstörung der Familie bewußt miterlebt. "Die Genossen zogen sich zurück. Wir hatten niemanden, auf den wir uns stützen konnten. Wir waren der Willkür allein ausgeliefert". Die erwartetete Hilfe von der Partei blieb aus. "Erst vor wenigen Jahren erfuhr ich, daß die Führer der Partei, Gus Hall und seine Kumpane, damals über eine Million Dollar pro Jahr aus Moskau bekamen, für die Parteiarbeit, natürlich, und sie leisteten sich damit Mietlimousinen und ihren eigenen Golfclub, anstatt Leuten wie meinem Vater Anwälte zu stellen. Die Erfahrung entfernte mich für immer von organisierter Parteiarbeit, aber sie band mich noch fester an unsere Viet-Nam Veteranen, die man ja auch im Regen stehen ließ".

Doch wir greifen vor. Joe ist zwölf, und die Umwelt fällt auseinander. Der Vater hatte ihm zum sechsten Geburtstag eine kleine Hawaiigitarre geschenkt, und bald darauf begann Joe noch, Posaune zu blasen. Er wurde richtig gut - so gut, daß er in der Schulband spielen durfte, und dort wurden man auf ihn aufmerksam. Joe McDonald wurde auf eine Karriere im Symphonieorchester der Stadt Los Angeles getrimmt. Die Schulkarriere klappte, die Posaunistenkarriere nahm ihren Fortgang, das Leben sah, trotz familiärer Schwierigkeiten, recht ordentlich aus.

Er war siebzehn, der Joe, als er eines Nachmittags am Rekrutierungsbüro der U.S.Navy vorbeischlenderte. Der nette Unteroffizier, der auf dem Bürgersteig gerade seine Zigarette rauchte, begann mit dem Jüngling ein Gespräch. So, fliegen wolle er eines Tages lernen? Das sei ja interessant, denn in der Navy fliege man doch. Sogar Düsenjäger - wo sonst, außer in der Navy, habe so ein schlauer Knabe wie er die Gelegenheit dazu? Man wanderte ins Büro, Rekrutierungsoffizier und blauäugiger Kommunistensohn, und eine halbe Stunde später hatte Joe seine - in diesem Fall auch bei Minderjährigen rechtsgültige - Unterschrift geleistet.

"War natürlich alles Bullshit" weiß Joe heute. An Fliegen war ohne ................

[Peter J. Kraus][Peter J. Kraus]

[Peter J. Kraus]