[Peter J. Kraus]

Leseprobe: 21. Kapitel

Kapitel 21: Creedence Clearwater Revival - Die Band für Jedermann

...als vier Kalifornier sich erst als Nordengländer, dann als Südstaatler ausgeben und mit ihrem Sumpfsound die goldene Gans finden. Doch deren Eier sammelt ein anderer für sich ein..........

Creedence Clearwater Revival kennen ihre kommerzielle Bedeutung genau, und als die Filmemacher anfragen, ob man ihren Auftritt mit in den Woodstockstreifen nehmen dürfe, lehnen sie entrüstet ab. Kommt gar nicht in Frage. Kein Geld, kein Film.

Rückblickend scheint das eine ganz normale Konsequenz ihrer langen Bühnenerfahrung zu sein. CCR weiß, wie alle anderen Rocker auch, daß die Mode bald vorüber sein wird. Niemand richtet sich auf eine längere Karriere ein, kaum jemand glaubt, daß der Rock mehr ist als ein Musikstil, der sich eigentlich schon langst wieder überholt hat. Erwachsene die Welt über prophezeien schon seit 1956, daß es "höchstens noch einen Sommer dauere, dann macht das Geschrei wieder anständiger Musik Platz". Kaum ein Musiker aus den Sechzigern oder Siebzigern hat die eigenen Songs vollständig auf Platte zuhause - sie hielten alle ihre Arbeit nicht für bedeutend genug, glaubten nicht, daß sie etwas Bleibendes schufen.

Als die Band Woodstock spielt, kommt "Green River" auf den Markt und ist einen Monat lang das Topalbum Amerikas. Nur als "Abbey Road" der einstigen britischen Vorbilder erscheint, muß das Album weichen, aber das nächste ist schon in Vorbereitung. Weder die Gruppe noch Zaenz verlieren Zeit. Man muß das Eisen schmieden, derweil die Leute noch kaufen. 1970 ist die Gruppe wieder auf Tournee, diesmal hinter ihrem Willie and The Poor Boys, dessen Skiffle- und Countrysound zwar vom bisherigen Ohrwurmrock abweicht, aber die Ausage bleibt. Wir machen zwar manchmal Fehler, suggeriert das Album, aber als Land sind wir doch noch unschlagbar. Songs, die direkt aus den Armeleutevierteln des Südens stammen können, aus den Good-Old-Boy Kneipen entlang des Bayou. Die Boys sind in Europa, spielen ganz Amerika, und nehmen in den wenigen Tourpausen das Album "Cosmos Factory" auf. Fogerty war von "Cosmo" begeistert; er sah in dem Album den Höhepunkt seines Schaffens und des patentierten Swamp Rock der Gruppe. Das Marvin-Gaye-Lied "I Heard it through the Grapevine" ist darauf, Fogertys "Who’ll Stop the Rain" und "Travelin’ Band". Wie schon von ihren früheren Alben werden wieder einige Singles extrahiert und auf den Markt geworfen. Creedence Clearwater Revival belebt fast eigenhändig den seit Jahren darniederliegenden Singlesmarkt. In einem Business, das sich auf das teuere Album versteift hat, auf Plattenkäufer, denen Konzeptalben über alles gelten, war die Single längst totgesagt. Creedence Clearwater Revival wußte die Marktlücke geschickt zu nutzen. Sie dominieren seit Jahren diesen Songhäppchenmarkt, dessen Gesamtvolumen allerdings gewaltig ist. Die Jungs kassieren massiv ab, was auch Saul Zaentz recht glücklich macht. Der hat sich nämlich, wie viele seiner Kollegen, das Urheberrecht an den Songs seiner Goldkehlchen abtreten lassen. Solche, ihrem Sinn gemäß unveräußerlichen Rechte sind im freien Amerika eine Ware wie jede andere. Wer schreibt, Neues schafft, frische oder leicht angedellte Geistesfrucht auf den Markt bringt, der hat kein inhärentes Eigentum daran, wenn er es wissentlich oder aus Unkenntnis abgibt. Das europäische Konzept geistigen Eigentums ist etwas aufgeklärter, aber der alte Kontinent hat auch längere Erfahrung mit Kulturschaffenden.

Im Januar 71 hat Tom Fogerty genug. Er verläßt die Band, wie er betont, um sich mehr seiner Familie zu widmen, kommt jedoch noch ab und zu mit den Boys zusammen, um einige Songs aufzunehmen. Die zweite Europatour beginnt im September im Amsterdamer Konzertgebouw erstmals mit CCR als Trio. Doch schon das Ausscheiden des Gruppengründers Tom Fogerty war ein Warnzeichen, daß mit der Band nicht alles zum Besten steht. Cook und Clifford schreiben auch, und sie wollen ihre Songs auf Alben sehen. Bisher wurden nur bekannte Rocklieder gecovered, Traditionelles wie der Zuchthaussong "Midnight Rambler" des einst im texanischen Huntsville einsitzenden schwarzen Mörders Leadbelly copyrightfähig verändert oder John Fogerty Kompositionen eingespielt. Fogerty hat schwerste Bedenken, denn die Kompositionen seiner beiden Kollegen halten sich nicht ans bewährte Rezept, aber er gibt nach und das Album "Mardi Gras" kommt im Mai auf den Markt. Der einflußreiche Rockkritiker Jon Landau, bisher ein glühender Fan der Gruppe, glaubt seinen Ohren nicht zu trauen. Knallhart schreibt der enttäuschte Liebhaber, es sei das schlimmste Album, das er je von einer bedeutenden Gruppe gehört habe. Mardi Gras stellt sich als letzter Nagel im schon länger einladend offenstehenden Gruppensarg heraus. Am 16. Oktober 1972 löst sich die Band auf. Fogerty fühlt sich als Frontman überfordert; er macht die ganze Arbeit, liefert die gutverkäufliche Ware, und die Bandkollegen motzen und schreiben nur Mist. Sollen sehen, wo sie bleiben.

Mit der Auflösung fängt jedoch das richtige Verdienen erst an. Schon im Januar 1973 bringt Saul Zaentz das erste von vielen Creedence Clearwater Kompilationen auf den Markt. Creedence Gold wird zum Massenprodukt, nicht zuletzt, weil der schlaue Zaentz seine Greatest Hits Alben zum volkstümlichen.............................

[Peter J. Kraus][Peter J. Kraus]

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