![[Peter J. Kraus]](chap10.gif)
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Leseprobe: 10. Kapitel
...in welchem der eremitenhafte Liedermacher ganz groß rauskommt und erstmals, widerwillig zwar, aber mit riesigem Erfolg durch Europa tingelt... |
| In London verkaufte er auch die letzte Eintrittskarte zum Hammersmith Palais. Selbst in Mannheim war kaum noch ein Sitzplatz in der mittelgroßen Halle zu haben. Endlich sah man den sagenhaften Cale, diesen angeblichen Jean Jacques, über den man schon so viel gehört hatte: Stories im Rundfunk, Geschichten über ihn in amerikanischen Rockheften, und in der Tat stand er außerhalb des Lichtkegels, Bühne hinten rechts, spielte dort und murmelte, und die Fans reckten die Hälse wie die Truthähne bei Regen. David Knopfler, der mit seinem Bruder Mark die Dire Straits gründete, staunt noch heute über das Familienvorbild Cale. “Mir imponierte seine absichtliche Zurückhaltung - er stand am seitlichen Bühnenrand und spielte als Bandmitglied, so daß der Durchschnittsmacker bis zum vierten Song nicht wußte, welcher nun Cale war. Und ich hatte noch nie eine solch zerlegte Harmony Sovereign (Gitarre) gesehen;. | ![]() J.J. Cale |
| sie sah unglaublich aus, fast unmöglich, und doch entlockte er ihr die großartigsten Töne Als Student kaufte ich vom eigenen Geld eine Harmony Sovereign, gegen 1972 war das, und für die bezahlte man nur etwa ein Zwanzigstel des Preises einer Martin. Als ich den herrlich bauchigen Klangkörper sah, mußte ich sie haben, denn trotz des etwas seltsam geformten Halses hatte sie einen supergeilen Ton. Na, was ich sagen will ist, daß es seltsam war, daß Cale den verqueren Gitarrenhals behielt, aber eigentlich “scheiß auf den Körper” sagte; er steckte einen elektrischen Tonabnehmer, einen Pick up, drauf”. |
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Die gesamte europäische Rockelite ging damals zum Cale-Konzert. Sein Einfluß war gewaltig; selbst junge Spieler, die sich noch nicht entschließen konnten, eine eigene Band zu gründen, wurden durch den easygoing Amerikaner ermuntert. David Knopfler: “Produzent Audie Ashworth mit Cale und seiner Gruppe hat den Rhythm & Blues erneuert, mit heißeren Grooves als sonst jemand in den Mittsiebzigern - vielleicht mit Ausnahme Dr. Johns und Lowell Georges. Natürlich hätte sich die kleine Kombo, die ich mit meinem Hausgenossen und meinem Bruder 1977 gründete, ohne Cales entscheidenden Einfluß ganz anders angehört. Alle vier Gruppenmitglieder hatten seine Alben. Ein Blick auf die damaligen britischen Kritiken bestätigt, daß vier von fünf Kritikern die drei wichtigsten Einflüsse unserer Gruppe erkannten; Dylan, Cooder und Cale”. Die Tour muß ihm trotzdem im Nacken gesessen haben; es dauerte bis 1994, ehe Cale wieder in Europa auftauchte. |