![[Peter J. Kraus]](chap14.gif)
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Leseprobe: 14. Kapitel
...in dem sich der reisende Leser nach traurigen Stories über die weggeblasene Muttererde Oklahomas und den Steinbeckschen Treck der Habenichtse auf die Hauptstadt des texanischen Panhandle freut. Vergeblich, wie sich´s herausstellt... |
| Die wenigen Bäume auf der Fahrt nach Amarillo sind vom Wind verkrüppelt; die Nordwestseite der Krone ist hochgewachsen und kahl, die südöstliche Seite dicht begrünt. Selbst im Auto hört man den Wind, man spürt ihn, kann ihn förmlich riechen, obwohl der Geruch, je näher man der einzigen Stadt des Panhandle kommt, eher an ausgeschüttetes Motorenöl in einem vielbenutzten Klo erinnert. Vieh wird hier gehalten, nicht nur auf der Prärie in freier Wildbahn, sondern in riesigen Corrals eingepfercht. Dort steht es zu Tausenden im westtexanischen Dreck herum, wird gemästet, und zwischen Zeugung und Zerlegung stinkt es gewaltig vor sich hin. |
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Man will sich nicht unbedingt in Amarillo aufhalten, obwohl einiges verlockt. Die Big Texan Steak Ranch, beispielsweise, mit ihrem berühmten 72-ounce-Steak. Das sind lockere zwei Kilogramm Fleisch, auch noch nach dem Grillen, und wer das - mit Beilagen und allein - innerhalb einer Stunde ißt, der bekommt´s umsonst. Wer´s nicht packt, zahlt 35 Dollar, was auch nicht schlecht ist. Die Stadt erinnert wieder an die Familie Joad, die John Steinbeck auch durch Amarillo klappern ließ. Sie ist unschön, den Verfall ihrer ärmlichen Bausubstanz hält kaum jemand auf, der Wind treibt gewaltige Mengen Staub aus der Prärie durch die numerierten Straßen der Innenstadt. Eine der wenigen Sehenswürdigkeiten Amarillos ist der erste Baum in Texas, der 1888 von Thomas Cree angepflanzt wurde. Der steht elf Meilen nordöstlich der Stadt, am Highway 60. Und in der entgegengesetzten Richtung findet man eine der schönsten und unbekanntesten Landschaften Amerikas, den Palo Duro Canyon. Der Red River bahnte sich hier seinen Weg und schnitt auf eine Länge von 100 Meilen ein bis zu 400 Meter tiefes Flußbett in den Sandstein. Palo Duro liegt etwa 25 Meilen südöstlich Amarillos, ist auf der I-27 einfach zu erreichen und ist einen Besuch wert. Man kann in den Canyon hinab- und auf einer gut ausgebauten Straße durchs Herz des Tales fahren. Im Sommer gibt´s hier eine große Show (Heimatfest würden wir´s vermutlich nennen), die den Amarilloern richtig gut gefällt, weil sie bunt ist, unterm Sternenhimmel stattfindet und der flachen Präriemetropole einen Hauch der hohen Kultur verleiht. Karten sind vorzubestellen; wie gesagt, das ganze ist sehr bunt und daher schnell ausverkauft.
Ach, Amarillo. Die Cadillac Ranch ist sicher das bekannteste Kulturwerk dieser ansonsten recht öden Stadt. Zehn Cadillaclimousinen, die von der Hippiekooperative Ant Farm 1974 in den texanischen Boden gepflanzt wurden... |