[Peter J. Kraus]

Leseprobe: 23. Kapitel

Gram Parsons - Dialog von Rock und Bluegrass

...in dem der Erbe eines gewaltigen Apfelsinenvermögens lieber rockt und die artfremde Beschäftigung auch richtig gut hinhaut. Bis zu dem denkwürdigen Tag, da der Jungrocker ein Pülverchen zuviel in sich hineinzwängt, stirbt und geklaut wird......

In Altamont war Gram schon längst den Drogen verfallen. Die Beschaffung war nicht weiter schwierig, denn er hatte derart aus den Vollen geerbt, daß es unmöglich war, Geld so schnell auszugeben wie es sich durch einfache Verzinsung vermehrte. Er machte noch ein Album mit den durch den späteren Eagle Bernie Leadon verstärkten Burritos, hatte seine Version des Stones-Song "Wild Horses" drauf, aber als "Burrito Deluxe" im Frühjahr 1970 in die Läden kam, war Gram schon über alle Berge. .[Peter J. Kraus]
Gram Parsons
Buchstäblich. Er hatte nämlich die Mojave entdeckt. Die Stille, die Weite, die vielen Sterne, die nachts im wolkenlosen Himmel zu sehen waren. Zusammen mit einem Drogenkenner wie dem Stones-Gitarristen und Amerikafreund Keith Richards ließ es sich unterm Sternenhimmel in der Mojave aushalten, bis unter die Haarwurzeln vollgeballert und nach UFOs Ausschau haltend. Sie hatten einen Lieblingsplatz dafür; Cap Rock, von wo aus der Blick ungehindert in den Kosmos wanderte. Schon als Student wollte er "Cosmic American Music" machen - denn er haßte die üblichen Etikette wie Country Rock oder New Country - und hier kam er der Sache schon recht nahe. Unter Volldampf, wohlgemerkt, aber in den frühen Siebzigern galten leckbare, stopfbare und schnaufbare Drogen ja als gesund. Was geraucht werden konnte, war keine Droge

Schon als das erste Album herauskam hatten sich die Burrito Brothers erstaunlich fein angetan. Die ganze Band kleidete sich beim Country-Star-Schneider Nudie ein; satinglänzende, bestickte Anzüge, grellbunt und außerhalb Los Angeles’, wo alles geht, mit Kopfschütteln quittiert. Nun, als Stoneskumpel, wurde Gram Parsons Rockstar. Drugs, Sex and Rock ’n Roll - genau in der Reihenfolge. Er jettete nach Frankreich, hing mit der Best Rockband in the World in der Villa Nelcote in Villefranche-sur-Mer und sang auf einigen der Songs auf dem "Exile On Main Street"-Album Backup. Die Exile-Sessions in Keith Richards’ Mietvilla zogen sich fast ein halbes Jahr hin, vom 10 Juli bis 23. November. Keyboardgott Nicky Hopkins, der die vielen Monate dort bleiben mußte, erzählte kurz vor seinem Tod, daß die Musiker tagelang warteten, spielten, aufnahmen, Chefingenieur Glyn Johns ständig wieder wegflog und herkam, nur um den Augenblick nicht zu verpassen, wenn Keith und Mick gleichzeitig auftauchten und etwas schrieben, das dann gespielt wurde, auf dem Fußboden sitzend ausgearbeitet, bis wieder einer der Bosse die Lust verlor oder schnell irgendwohin fliegen mußte. Der arme Nicky regte sich noch zwanzig Jahre danach auf, obwohl er damals die gleichen Drogen schoss wie alle anderen.

Erst gegen Jahresende kam Gram wieder heim; das Lotterleben hatte ihn gezeichnet. Was die Stones höchstens noch mehr ausmergelte, führte bei ihm zu Wampe und Doppelkinn. Der lange Rivieraaufenthalt inspirierte zu neuen Kompositionen, und Mitte 1972 lag genügend Originalmaterial für die erste Solo-LP vor. Zwischendurch war Gram noch mal schnell mit den eigentlich schon aufgelösten Flying Burrito Brothers.........

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